Der Burnout Jojo-Effekt

Ab jetzt wird alles anders. Oder nicht?

Ich bekomme so oft die Anfragen zu „Tipps“ wie man das in der Reha oder Therapie Gelernte in seinen Alltag einbauen kann. Wie soll es nun weitergehen? Man hat eine feste Struktur vorgegeben bekommen, man weiß nun, was man auf keinen Fall wieder möchte und ggf. weiß man auch, was man nun anders machen möchte.

Natürlich beantworte ich diese gerne und wir wissen ja, dass bestimmte Dinge eher förderlich für ein Ausbrennen sind, wie z.B. nicht Nein- sagen können, zu viel Arbeiten, sich keine Ruhepause zu erlauben etc. Vieles von dem was ich dir sage, hast du eventuell auch schon mal gehört. Genauso gut wissen wir aber auch, was einem Burnout entgegensteuert: Achtsamkeit mit dir, eine gute Work-Life-Balance, ein stabiles soziales Umfeld und ein erfüllender Beruf zum Beispiel.

So!  Also: Gesagt, Getan, Fehlanzeige.

Wie lange dauert es Gewohnheiten zur Routine zu machen? Die Studie des „European Journal of Social Psychology“ ergab, dass es im Durchschnitt mehr als zwei Monate dauert bis eine Gewohnheit automatisch abläuft.

Genauer gesagt 66 Tage

66 Tage brauchst du um eine Gewohnheit zu ändern. Die Wahrheit ist, dass auch dieser Durchschnittswert stark von den Lebensumständen und einzelnen Personen abhängt. Das bedeutet, dass es Menschen gibt die wesentlich langsamer neue Routinen aufbauen können (254 Tage! – also fast ein Jahr) und alte Gewohnheitsmuster durchbrechen aber auch, dass es Menschen gibt die es schneller konnten. Der schnellste Proband hat 18 Tage gebraucht.

Warum erzähle ich dir das nun?

Wir reden von einer Gewohnheit. Wenn du an einem Punkt in deinem Leben standest an dem du ausgebrannt bist, an den du sicherlich nie wieder zurück möchtest, treibt dich eine richtige Kraft in eine andere Richtung. Wir wissen schließlich, dass es so wie vorher nicht weitergehen kann. Das hat das Burnout uns gezeigt. Leider sind viele Menschen extrem leidensfähig; durch Kindheit, Erziehung, Sozialisation lernen wir, durchzuhalten. Auch, wenn wir selbst dabei zugrunde gehen.

Menschen die in ein Burnout geraten, weisen bestimmte Charaktereigenschaften , wie z.B. Perfektionismus, Ehrgeiz, „Helfersyndrom“, eine eher pessimistische Lebenseinstellung häufiger auf als andere.  Auch die Verausgabungstendenzen sind viel höher. Die Leidensfähigkeit (wieviel kann ich ertragen?) ist ebenso vergleichsweise hoch.

Diese Charaktereigenschaften lassen dich durchhalten und sie sind – Überraschung – nach einer ReHa, nach einem durchgestandenen Burnout, nach einer beruflichen Neuausrichtung, nach einer Scheidung oder nach dem Entschluss für die Selbstständigkeit und Selbstverwirklichung immer noch da.

Ein Burnout macht dich nicht direkt zum neuen Menschen

Du wirst nicht nach einem durchgestandenen Burnout zu einem neuen Menschen. Du weißt zwar sehr sehr viel mehr als vorher, aber der Alltag ist trügerisch. Er ist schleichend und genauso sind es die Gewohnheiten. Das Ändern einer Gewohnheit braucht durchschnittlich 66 Tage. Das Zusammenspiel von vielen (destruktiven) Gewohnheiten führte in ein Burnout. Der Aufbau von förderlichen Gewohnheiten führt dich hinaus.

Genauso wie ein Ex-Raucher immer mal wieder Lust auf eine Zigarette verspüren wird (insbesondere wenn andere Rauchen) wird ein Ex-Burnout Betroffener oder jemand, der diese gefährdenden Charaktereigenschaften aufweist, immer wieder dazu verleitet werden, sich über die Maßen zu verausgaben, selbst wenn – der Job gewechselt wurde, grundlegende Dinge geändert wurden oder man öfter mal „Nein“ sagt.

 

Hoch und runter, wie ein Jo-jo! 

Man könnte sagen, Burnout hat einen Jo-Jo Effekt. Während der Kur, Umsetzungsphase, akuten Phase oder kurz danach purzelt der Ballast von dir, aber kaum ist es nicht mehr deine Priorität, ZACK BUM – hast du wieder ein paar Pfündchen Ballast mehr. Heißt das, dass du nun immer wieder ein Burnout erleben wirst? Nein! Heißt es, dass du mehr tun solltest, als „nur“ ein paar Routinen zu ändern? Oh ja!

 

Für eine dauerhafte Änderung charakterlich-begünstigender Faktoren für ein Burnout und eine Verausgabung ist es wichtig, sich anzuschauen woher diese charakterlichen Eigenschaften, die Motivation und Bereitschaft zu Verausgabung  stammt. Wenn man sie ein für allemal auflösen kann, kann man ihn dankend annehmen, anhören und dann gehen lassen und dann transformieren.

Es gibt Wege sich zu entwickeln.

Es gibt Möglichkeiten das hinter sich zu lassen.

Es ist ein Prozess, aber er lohnt sich. So sehr.

 

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